Die erfolgreichsten Sängerinnen der 60er Jahre

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Die 60er Jahre waren ein Jahrzehnt, dass auch in der Pop- und Rock-Musik als Entsprechung einer durch politische Emanzipationsbewegungen bestimmten Gesellschaft, von Gegensätzen geprägt war. Auf der einen Seite gab es den beharrenden Mainstream mit eingängigen Pop-Songs, auf der anderen Seite insbesondere schwarzer Musikstile einbindendes experimentierfreudiges Rebellentum. Dazwischen aber auch harmoniepflegende Hippie-Musik. Wenn die Szene der 60er Jahre auch immer noch von männlichen Sängern dominiert blieb, so drängten jetzt doch auch immer mehr Frauen als Stars ans Mikrofon. So wie die folgend kurz vorgestellten selbstbewussten Top-Sängerinnen:

01. Aretha Franklin

Aretha Franklin
Aretha Franklin
Die am 25. März 1942 in Memphis geborene Aretha Franklin zählt zu den kommerziell erfolgreichsten Sängerinnen der US-Musikgeschichte. Sie legte in den frühen 60er Jahren den Grundstein für ihre beeindruckende jahrzehntelange Karriere. Die Gospel-, Soul- und R & B-Elemente genauso wie an Pop oder Jazz orientierte Versatzstücke meisterhaft zu einem ganz eigenen Sound kombinierende Afroamerikanerin schaffte es ab 1961 mehr als 30 Mal in die US-Single-Charts.

Hits wurden in diesem Jahrzehnt u. a.: „I Never Loved A Man The Way I Love You* “, „Chain Of Fools*“, „A Natural Woman*“ und „Baby, I Love You*“ (alle 1967), „Since You´ve Been Gone*“ und „I Say A Little Prayer*“ (beide 1968). Ihre berühmteste und vielleicht beste Leistung stellte die Cover-Interpretation des Otis-Redding-Songs „Respect*“(1967) dar. „Respect“ wurde zu einer Art musikalischen Standard für die sich damals immer stärker formierenden, sich für Menschenrechte sowie gegen Rassismus und Frauen-Diskriminierung engagierenden Bewegungen.

02. Tina Turner

Tina Turner
Tina Turner
Farmarbeitertochter Tina Turner wurde am 26. November 1938 in Brownsville (Tennessee) geboren. Die Afroamerikanerin mit mütterlicherseits indianischen Vorfahren bekam den bürgerlichen Geburtsnamen „Anna Mae Bullock“. Tina Turner nahm 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft an und dürfte damit die erfolgreichste und beliebteste Eidgenossin mit Rock-Vergangenheit sein. Nach einer schwierigen Jugend wurde sie während ihrer noch problematischeren Ehe mit dem Musiker-Kollegen Ike Turner als eine Hälfte des Duos „Ike & Tina Turner“ zum Weltstar.

Tina Turner wurde in den 1960er Jahren bekannt für ihre schweißtreibenden, erotisch-körperlichen Bühnenshows und ihren atemlosen, nahezu schreienden Gesangsstil. Der Durchbruch zu einer der beliebtesten Sängerinnen der 60er kam in Etappen. 1966 wurde „River Deep Mountain High*“ der erfolgreichste Song ihrer damaligen Welttournee, blieb aber in den USA relativ wenig beachtet. Erst „Come Together*“ brachte auch in den USA 1969 den Superstar-Status. In den 1970er trennte sich Tina Turner von ihrem despotischen Mann, konnte sich aber auch als Solo-Künstlerin (z. B. mit „Typical Male*“, 1986) und mit Ausflügen ins Film-Fach („Mad Max, 1985) schließlich sehr gut behaupten.

03. Cass Elliot

Cass Elliot
Cass Elliot
Die als „Ellen Naomi Cohen“ am 19. September 1941 in Baltimore (Maryland) geborene Cass Elliot wurde sowohl als „Hauptstimme“ der US-Pop-Gruppe „The Mamas and the Papas“ als auch als Solo-Sängerin zu einer der bekanntesten Musikkünstlerinnen der Flower-Power-geprägten 60er Jahre. Persönliche Probleme im Zusammenhang mit unglücklichen Beziehungen, Crash-Diäten der unter massiven Übergewicht Leidenden und Drogenmissbrauch haben am 29. Juli 1974 zum frühen Tod von Cass Elliot beigetragen.

Cass Elliot hatte ihre Karriere in den 1950er als Sängerin in diversen Folk-Bands wie den „Mugpumps“ begonnen. 1964 gründete sie zusammen mit Michelle und John Philipps sowie Dennis Doherty die Vokal-Gruppe „The Mamas and the Papas“. Obwohl sich die Gruppe bereits 1968 auflöste, sollte sie das Lebensgefühl eines großen Teils der damaligen Jugendgeneration wesentlich mitbestimmen.

„California Dreamin´“ (1965), „Monday, Monday“, „Dancing In The Street“ oder „I Saw Her Again*“ (alle 1966) waren Hippie-Hits, die in ihrer fröhlichen Ausrichtung im Gegensatz zu dem rebellischen Stil vieler anderer Charts-Stürmer standen. 1968 bereits löste sich die Erfolgsgruppe wieder auf. „Mama Cass“, wie Cass Elliot zu ihrem Unwillen auch danach in den Medien regelmäßig genannt wurde, hatte als Solo-Künstlerin anschließend insbesondere durch ihren Welthits „Make Your Own Kind of Music*“ (1969) Erfolg.

04. Dionne Warwick

Dionne Warwick
Dionne Warwick
Die am 12. Dezember 1940 in East Orange (New Jersey) geborene afroamerikanische Sängerin Dionne Warwick wurde in den 1960er Jahren vor allem durch ihre kongeniale Umsetzung von Burt-Bacharach-Kompositionen bekannt. Ihre gleichermaßen massentauglichen wie erstklassig interpretierten Songs sind oft zwischen Ballade, Gospel und Pop angesiedelt. Zu den größten Hits der beliebten zweifachen Grammy-Gewinnerin in den 60ern zählten „Walk On By*“ (1964), „Message To Michael*“ (1966), „Alfie*“ und „I Say A Little Prayer*“ (beide 1967) sowie „Valley Of The Dolls*“ (1968).

Auch in den Folgejahrzehnten gelangen Dionne Warwick immer wieder Hits (z. B. „Heartbreaker“ 1981, „That´s What Friends Are For“, 1985). Außerdem hatte sie Erfolg als Moderatorin in einer Reihe von TV-Shows.

05. Cher

Cher
Cher
Cher (vollständiger Geburtsname: Cherilyn Sarkisian) wurde am 20. Mai 1947 im kalifornischen El Centro geboren. Mitentscheidend für ihren bis heute andauernden Erfolg als eine der beliebtesten US-Pop-Sängerinnen war ihre Verbindung zu ihrem zeitweiligen Ehemann Sonny Bono, mit dem sie 1964 das kommerziell erfolgreichste Vokal-Duo der Musikgeschichte gründete: „Sonny & Cher“.

1965 wurde ihr Song „I Got You Babe*“ nicht nur in den USA über Monate der beliebteste Hit in den Charts. Es folgte eine Vielzahl weiterer Top-Platzierungen wie „Bang Bang*“ (1965), „Sunny*“ (1966) oder „You Better Sit Down Kids*“ (1967). Auch vor dem auseinandergehen von „Sonny & Cher“ im Jahr 1974 arbeitete Cher als Solo-Sängerin. Ihre vielleicht beste Solo-Nummer in den 60er Jahren war ihre Version von „All I Really Want to Do*“ (1965). Neben ihren Triumphen als Sängerin auch in den Folgejahrzehnten (z. B. mit „Half Breed“,1973) war Cher zudem als Film-Schauspielerin überaus erfolgreich.

06. Nina Simone

Nina Simone
Nina Simone
Die Afroamerikanerin Nina Simone wurde am 21. Februar 1933 im North-Carolina-Dorf Tryon als „Eunice Waymon“ geboren. Sie wurde sowohl als eine der beliebtesten Jazz-Blues-Sängerinnen („Classical Black Music“) als auch als Pianistin und Bürgerrechtlerin berühmt.

Ihren ersten Hit konnte sie 1959 mit „I Loves You, Porgy“ verzeichnen. Endgültig Star-Status bekam sie mit dem musikalisch eher gefälligen „Nobody Knows You When You´re Down And Out“ (1960) und vor allem mit „I Put A Spell On You“ (1965), einen der erfolgreichsten Songs dieses Genres. Nach den 60er Jahren wurde Nina Simones 1958 aufgenommenes, damals wenig beachtete „My Baby Just Cares For Me*“ in Folge einer Verwendung als Werbemusik 1987 zu einem späten Simone-Welthit. Nina Simone ist am 21. April 2003 nach langer Krankheit in Carry-le-Rouet an der Côte d’Azur gestorben.

07. Brenda Lee

Brenda Lee
Brenda Lee
Der am 11. 12. 1944 in Atlanta/Georgia als „Brenda Mae Tarpley“ geborene Pop- und Country-Star Brenda Lee wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sehr früh wurde das erstaunliche musikalische Talent der US-Amerikanerin deutlich. Seit sie zehn Jahre alt war, trat sie regelmäßig bei Country-Sendungen im Radio und im Fernsehen auf. Brenda Lee 1957 erstveröffentlichte Single „One Step At A Time*“ wurde außer in der Country-Szene, auch in der Pop-Welt zum Erfolg. Der Folgesong „Dynamite“ (1957) verdankte die als Erwachsene lediglich 1,45 m große Sängerin ihren Beinamen „Little Miss Dynamite“.

Die 60er Jahre waren für Brenda Lee überaus erfolgreich. Die im spannenden Kontrast zu der zarten Figur der Sängerin stehende überaus ausdrucksstarke, viele Zeitgenossen an das Timbre von Edith Piaf erinnernde Stimme machte Brenda Lee zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen der 60er. Mit Songs, die musikalisch durch Elemente aus oft schmachtenden Rock ´n´ Roll, Country und Rockabilly bestimmt waren, wurde sie berühmt. Sie schaffte es, sich in diesem Jahrzehnt 47 Mal in den US-Charts zu platzieren.

Dem 1959 veröffentlichtem Hit „Sweet Nothin´s“ folgten 1960 „I´m Sorry*“ und der Nr.-1-Hit „I Want To Be Wanted*“. Ebenso unter die Top Ten der US-Charts schafften es unter anderem „Fool“ (1961), „All Alone Am I“ und “Break At To Me Gently*“ (1962) sowie „Losing You*“ (1963). Die auch international zu den beliebtesten Sängerinnen der 60er zählende Künstlerin gelang mit „Wiedersehn ist wunderschön“ (1964) sogar ein auf Deutsch gesungener Hit. Zu Brenda Lees Longsellern gehört das bei der Premiere 1958 vollkommen erfolglose, aber Anfang der 1960er zum Dauerbrenner aufgestiegene „Rockin´ Around The Chrismas Tree“. Nach ihren Pop-Erfolgen in den 60er wandte sich Brenda Lee wieder der County-Music-Szene zu.

08. Janis Joplin

Janis Joplin
Janis Joplin
Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 (wahrscheinlich) an einer Drogenüberdosis in Los Angeles starb, galt sie bei vielen Experten und Fans als die beste Sängerin der US-Rock-Szene. Die am 19. Januar 1942 in Port Arthur (Texas) geborene beliebte Sängerin wurde durch ihren Drogentod Mitglied des makaberen „Forever 27 Club“. In diesem von den Medien erfundenen fiktiven Klub fanden im Alter von 27 gestorbene Rockstars wie Jim Morrison oder Kurt Cobain Aufnahme.

Das kurze Leben von Janis Joplin war von Alkohol, Drogen und Musik geprägt. Ihre raue und voluminöse Stimme und ihre exzessiven Ausdrucksformen beim Singen machten sie zu einer der erfolgreichsten weißen Sängerinnen im Blues-Rock-Bereich. Zu ihren größten Hits zählten „All Is Loneliness*“ und „Down On Me“ (beide 1966), „Bye, Bye Baby*“ (1967), „Piece Of My Heart*“ (1968) und „Try*“ (1969).

09. Etta James

Etta James
Etta James
Die Sängerin Etta James (bürgerlicher Name: Jamesetta Hawkins) ist in den 50er und 60er Jahren einer der weltweit beliebtesten Rhythm & Blues– und –Jazz-Interpretinnen geworden. Die am 25. Januar 1938 in Los Angeles geborene US-Amerikanerin mit der rauchigen Stimme hatte 1955 mit „The Wallflower (Roll With Me Henry)*“ einen Riesenerfolg, der es auf Platz 1 der amerikanischen R & B-Charts schaffte.

In den 60ern wurde die zeitweise auffallend blondierte Afroamerikanerin dann mit Hits wie „All I Could Do Was Cry*“, „Spoonful*“, „Tell Mama“ und vor allem mit dem Song „At Last*“ (1960) auch beim Massenpublikum populär. In den Folgejahrzehnten konnte Etta James nicht mehr an ihre ganz großen kommerziellen Erfolge anknüpfen, genoss aber mit ihren Auftritten und Tonträgern bei R & B- und Jazz-Fans trotz ihrer persönlichen Abstürze weiterhin Star-Status. Etta James starb 73-jährig am 20. Januar 2012 im kalifornischen Riverside an den Folgen einer schweren Erkrankung.

10. Dusty Springfield

Dusty Springfield
Dusty Springfield
Die Britin Dusty Springfield gehörte in den 1960er Jahren zu den beliebtesten Pop-Sängerinnen. Die „White Queen Of Soul“ war aber er auch die wohl beste nichtschwarze Soulsängerin ihrer Zeit. Dusty Springfield kam am 16. April 1939 als „Mary O´Brien“ in London auf die Welt. Am Anfang ihrer Karriere hatte sie als Sängerin in der von ihr zusammen mit ihrem Bruder Tom gegründeten Folk-Vokal-Gruppe „The Springfields“ 1961 und 1962 erste kleine Charts-Erfolge wie „Bambino*“ und “Say I Won’t Be There*“.

Nach Auflösung der Gruppe gelang Dusty Springfield 1963 mit „I Only Want To Be With You*“ (Patz 4 der britischen Hitliste) der Durchbruch als Pop-Star. Mit Hits wie dem dramatischen „You Don’t Have to Say You Love Me*“ (1966) oder dem leicht Soul-Song „Son Of A Preacher Man*“ (1968) hatte sie nicht nur in Großbritannien Erfolg, sondern auch international. Dusty Springfield, die in nach den 1960er Jahren sowohl Tiefpunkte als auch neue musikalische Erfolge erlebte, ist am 2. März 1999 im südenglischen Henley-on-Thames an einer Krebserkrankung gestorben.

11. Diana Ross

Diana Ross
Diana Ross
Die aus Detroit, Michigan stammende Diana Ross war ein Teenager, als sie sich zum ersten Mal an die Musik wagte und einer Band namens Primettes beitrat. Die Gruppe wurde 1961 in die Supremes umbenannt und erhielt einen Vertrag mit Motown Records.

Unter Ross‘ kraftvollem Gesang landeten die Supremes in den 1960er Jahren eine Reihe von Nummer-eins-Hits, angefangen mit dem berühmten Song „Where Did Our Love Go“ im Jahr 1964. Die Gruppe setzte ihre Erfolgssträhne mit Grammy-nominierten Singles wie „Baby Love“ und „Stop In The Name of Love“ fort. Von ihren frühen Ambitionen als Modedesignerin bis hin zu den bahnbrechenden Auftritten der Supremes – Ross‘ Talent, Stil und Innovation machten sie zu einer herausragenden Sängerin der 60er Jahre. Ihr Einfluss wirkt bis heute nach und macht sie zu einer lebenden Legende in der Musikindustrie.

12. Patsy Cline

Patsy Cline
Patsy Cline
Die in der Country-Musikszene der 1960er Jahre verehrte Patsy Cline sang erstmals in einem Kirchenchor in ihrem Geburtsort Winchester, Virginia. Ihren einzigartigen Stimmumfang und -stil führte Cline oft auf eine Halsentzündung zurück, die sie im Alter von 13 Jahren durch rheumatisches Fieber bekam.

Ihre Musikkarriere begann 1957 mit der Veröffentlichung ihres Hits „Walkin‘ After Midnight“, dem bald darauf Chart-Hits wie „She’s Got You“ und „I Fall to Pieces“ folgten. Bekannt für ihren genreübergreifenden Crossover in die Popmusik, prägt Clines Einfluss bis heute Musik aller Stilrichtungen. Trotz ihres frühen Todes bei einem Flugzeugabsturz im Alter von nur 30 Jahren bleibt ihr Vermächtnis bestehen, was durch ihre bahnbrechende Aufnahme als erste weibliche Künstlerin in die Country Music Hall of Fame unterstrichen wird. Ihre Lieder, insbesondere ihr zeitloser Klassiker „Crazy“, zeugen von Clines bleibendem Einfluss und ihrer unvergleichlichen Fähigkeit, komplexe Geschichten durch ihre Musik zu erzählen.

Es ist schwer zu sagen, wer von Aretha, Tina, Dusty & Co. die beliebteste oder einflussreichste Sängerin der 60er Jahre gewesen sein mag. Auf jedem Fall hat jede von ihnen dem Jahrzehnt einen musikalischen Stempel mit unvergesslichen und zeitlosen Hits mit aufgedrückt.

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Dominik ist begeisterter Blogger in den Bereichen Filme, Serien, Musik und Videospiele, der sein breites Wissen und seine Leidenschaft für die vielfältigen Aspekte der Popkultur mit Begeisterung teilt.

E-Mail: dominik.sirotzki@popkultur.de