Die 20 erfolgreichsten kanadischen Sänger und Sängerinnen aller Zeiten

Kanada Flagge
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Obwohl Kanada flächenmäßig das zweitgrößte Land dieser Erde ist, beherbergt es kaum 40 Millionen Einwohner. Dass gut 70 Prozent der Nation von Tundra- und Bergregionen bedeckt sind, dürfte als Erklärung dienen! Unter Berücksichtigung der Gegebenheiten ist es umso beeindruckender, wie viele international erfolgreiche Sänger und Sängerinnen dem nördlichen Nachbarn der USA nichtsdestotrotz bereits entsprungen sind: Folk-Ikonen, Rock-Legenden, Pop-Sensationen und aktuelle Megastars haben das Licht der Welt in Kanada erblickt. Wir versammeln 20 von ihnen und verweisen darauf, dass wir „Erfolg“ nicht einzig und allein über gesammelte Juno-Awards, verkaufte Tonträger, Streams oder YouTube-Views definieren – wer die Musikwelt durch sein Schaffen nachhaltig geprägt und bereichert hat, muss schließlich nicht zwangsläufig auch ständiger Chartstürmer gewesen sein.

Alanis Morissette

Geboren am 01. Juni 1974 in Ottawa, Ontario

Alanis Morissette
SaintEddie, Alaniss, CC BY-SA 3.0
Vor erreichter Volljährigkeit wurde Alanis Morissette, zu Beginn der Neunziger noch ohne ihren Nachnamen auftretend, mit dem Juno-Award als vielversprechendste Sängerin ausgezeichnet. Trotzdem sollte es bis 1995 dauern, ehe ihr der internationale Durchbruch gelang – dessen Ausmaß allerdings war für eine Künstlerin aus Kanada seinerzeit unbekannt: „Jagged Little Pill“ erklomm nach verhaltenem Einstieg zunächst die US-Billboard 200 und anschließend etliche weitere Hitparaden, was vor allem populären Singles wie der bitteren Trennungs-Abrechnung „You Oughta Know“ oder dem radiotauglichen „Ironic“ zu verdanken war.

Gekrönt wurde der frühe kommerzielle Höhepunkt von Morissettes Karriere (16-fach Platin allein in den Staaten) durch vier Grammy-Trophäen, unter anderem für die Beste Performance einer Sängerin. Neben weiteren erfolgreichen Platten trat die engagierte Umweltaktivistin darüber hinaus als Schauspielerin in Erscheinung, wobei besonders ihre Auftritte als Gott an der Seite von Jay und Silent Bob für Aufsehen sorgten. Als die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver ausgetragen wurden, ließ sich Alanis Morissette einen Auftritt auf der Abschlussfeier außerdem nicht nehmen!

Shania Twain

Geboren am 28. August 1965 in Windsor, Ontario

Shania Twain
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In Anbetracht moderner Hörgewohnheiten darf man beinahe davon ausgehen, dass gewisse Rekorde im Feld der verkauften Tonträger für immer unerreicht bleiben werden. Gute Nachrichten für Shania Twain: Die als Eilleen Regina Edwards zur Welt gekommene Sängerin und Songwriterin rangiert zum Zeitpunkt der Listenerstellung bequem in den Top Ten der meistverkauften Platten aller Zeiten. Kein Album einer Solokünstlerin wanderte jemals häufiger über die Ladentheken der Welt als „Come on over“ von 1997, das mit Ohrwürmern wie „Man! I feel like a Woman!“, „You’re still the One“ oder „That don’t impress me much“ gespickt ist.

Entscheidende Zutat von Shania Twains Erfolgsrezept ist ihre stilistische Zweigleisigkeit: Zuverlässig bedient sie sowohl die vor allem in Nordamerika populäre Country-Szene als auch den Pop-orientierten internationalen Markt; diverse Hits sind in jeweils passend zugeschnittenen Fassungen zu hören. Dem Verband der amerikanischen Musikindustrie zufolge ist sie ferner die einzige Künstlerin, die drei Diamant-Auszeichnungen (mehr als zehn Millionen verkaufte Tonträger) in Reihe einheimsen konnte!

Drake

Geboren am 24. Oktober 1986 in Toronto, Ontario

Drake
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Bahnbrechender Erfolg auf dem zweiten Bildungsweg: Acht Jahre lang steht Aubrey Drake Graham für die kanadische Jugendserie „Degrassi: The Next Generation“ vor der Kamera, ehe ihm die Single „Best I ever had“ (2009) endlich die langersehnte Aufmerksamkeit als Musiker verschafft. Die in den Folgejahren erklommenen Spitzenplatzierungen in verschiedensten Charts, die prestigeträchtigen Auszeichnungen und all die geknackten Streaming-Rekorde lassen sich an dieser Stelle unmöglich aufzählen – exemplarisch sei deshalb erwähnt, dass „Hotline Bling“ (2015) bei Listenerstellung über anderthalb Milliarden YouTube-Views verzeichnet, bis heute reichlich Stoff für Memes bietet und sich das dazugehörige Album „Views“ 13 Wochen auf dem ersten Platz der Billboard 200 gehalten hat.

Drake trägt neben der kanadischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Gerade für sein Geburtsland stellt er neben einem kulturellen Exportschlager offenbar auch eine nennenswerte Einnahmequelle dar: Glaubt man einem Bericht von Vice News, ist der einstige On-Off-Boyfriend von Rihanna im Jahre 2018 für stolze fünf Prozent des Tourismus in seiner Heimat Toronto verantwortlich gewesen.

Justin Bieber

Geboren am 01. März 1994 in London, Ontario

Justin Bieber
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Justin Drew Bieber ist der zweitjüngste Vertreter unserer Liste und nichtdestotrotz ein waschechter Veteran der schnelllebigen Musikbranche. Im zarten Alter von 13 wird er durch seinen späteren Manager Scooter Braun in die Industrie eingeführt, nachdem dieser auf YouTube-Clips des Gesangstalents aufmerksam wird. Ähnlich begeistert ist R&B-Superstar Usher, der sich gerade in der Frühphase von Biebers Karriere als hilfreicher Mentor erweist und einen denkwürdigen Siegeszug in die Wege leitet:

Singles von „Baby“ (2010) über „What do you mean?“ und „Love yourself“ (beide 2015) bis hin zu „10,000 Hours“ (2019) dokumentieren einen menschlichen wie musikalischen Reifeprozess, der stets vor dem kritischen Auge der versammelten Popwelt stattgefunden hat. Umso bemerkenswerter ist, dass der merkliche Imagewandel – vom pausbäckigen Teenieschwarm zum großflächig tätowierten Mann mit gelegentlichem Hang zur Eskapade – ohne Konsequenzen für Biebers kommerziellen Erfolg blieb: Seine Verkäufe rangieren längst in dreistelliger Millionenhöhe.

Neil Young

Geboren am 12. November 1945 in Toronto, Ontario

Neil Young
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Obwohl Neil Young seiner Heimat bereits in den 1960ern den Rücken zugekehrt hat und inzwischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft trägt, ist der Multiinstrumentalist ohne Frage einer der verehrtesten Künstler in Kanadas Kulturgeschichte. Dabei hängt die Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ ganz davon ab, wen genau man fragt: Seine einfühlsam-akustische Seite hat Songs wie „Harvest Moon“ oder „Heart of Gold“ hervorgebracht; dabei ist letztgenannte Nummer die einzige, die Young je an der Spitze der US-Charts platzieren konnte. In Anbetracht von mehr als 75 Millionen verkauften Platten steht seine kommerzielle Zugkraft dennoch außer Frage!

Nachdem er andererseits zunächst mit Buffalo Springfield und als Teil von Crosby, Stills, Nash & Young bereits in den frühen Tagen des Rock eine prägende Rolle bekleidete, verhalf ihm das politisch aufgeladene „Rockin‘ in the Free World“ (1989) seinerzeit zum zweiten Frühling: Die Verehrung entsprechender Bands brachte ihm den Ehrentitel des „Godfather of Grunge“ ein; mit Genre-Größe Pearl Jam als Begleitband nahm er 1995 das Album „Mirror Ball“ auf.

Céline Dion

Geboren am 30. März 1968 in Charlemagne, Québec

Céline Dion
Foto: (c) Alix Malka / Sony Music
Zwischen ihrem internationalen Durchbruch durch das poppige „Beauty and the Beast“-Duett mit Peabo Bryson (1992), dem oscarprämierten Schmachtfetzen „My Heart will go on“ (1997), zahlreichen Auftritten im Rahmen der Academy Awards oder auch einem überraschenden Einsatz für „Deadpool 2“ (2018) ließe sich Céline Marie Claudette Dions enormer Erfolg allein anhand ihrer Songs mit Hollywood-Bezug mühelos belegen. Gleichzeitig würden wir dadurch jede Menge unterschlagen – zum Beispiel, dass sie 1988 den Eurovision Song Contest für die Schweiz entschieden hat, mit Anfang 20 bereits ein Megastar auf nahezu jedem französisch sprechenden Fleck der Erde war oder als bestverdienende Künstlerin der Nullerjahre gehandelt wird.

Einen nennenswerten Anteil daran tragen neben jeweils mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren der Alben „Falling into you“ und „Let’s talk about Love“ auch diverse langjährige Auftritte in Las Vegas. Die Heimat zeigt sich verständlicherweise stolz: Dion ist Trägerin des Ordre du Canada, der höchsten Auszeichnung für Zivilpersonen.

Shawn Mendes

Geboren am 08. August 1998 in Toronto, Ontario

Shawn Mendes
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Einer alten Weisheit zufolge schlägt der Blitz nie zweimal an der selben Stelle ein – und tatsächlich liegen zwischen London, Ontario und der Provinzhauptstadt Toronto gut 200 Kilometer. Dennoch lassen sich deutliche Parallelen im Werdegang von Justin Bieber und Shawn Mendes kaum von der Hand weisen: Auch der Sohn eines Portugiesen und einer Engländerin macht im blutjungen Alter durch online gestellte Coverversionen auf sich aufmerksam; statt YouTube dienen ihm jedoch Rekordclicks auf dem inzwischen eingestellten Videoportal Vine als Sprungbrett.

Seit der Veröffentlichung des Debütalbums „Handwritten“ (2015) und der Durchbruch-Single „Stitches“ hat Shawn Peter Raul Mendes vorderste Chartränge quasi abonniert und liefert Welthit nach Welthit ab: „Treat you better“, „There’s nothing holding me back“ oder “Señorita” an der Seite von Camila Cabello prägen den Pop der späten 2010er, weshalb ihn das Time Magazin im Jahre 2018 sogar zu den 100 einflussreichsten Personen der Erde zählt!

Leonard Cohen

Geboren am 21. September 1934 in Montreal, Québec

Leonard Cohen
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Angesichts all der verschiedenen Interpretationen von „Hallelujah“ (1984) fällt es beinahe schwer zu glauben, dass „Yesterday“ weiterhin der meistgecoverte Song aller Zeiten sein soll. Gleichzeitig wäre es grob fahrlässig, das fünf Jahrzehnte umfassende Schaffen von Leonard Norman Cohen auf seine erfolgreichste Komposition zu reduzieren: Verteilt über insgesamt 14 Studioalben (zu Lebzeiten) hat sich der Singer-Songwriter zwischen Liebe, Leiden, Leben, Freundschaft, Tod oder Religion an nahezu allen Facetten des Menschseins abgearbeitet. Dementsprechend diente Cohens tiefem Sprechgesang meist ein melancholisch-minimalistischer Soundteppich als Grundlage; der Hang zu poetischen Lyrics lässt sich dagegen durch seine speziell vor dem musikalischen Durchbruch verfolgte Karriere als Schriftsteller erklären.

Neben dem eingangs erwähnten Hit gehören „Suzanne“, „Bird on the Wire“, „So Long, Marianne“ oder „First we take Manhattan“ zu seinen populärsten Nummern. Geehrt wurde der 2016 verstorbene Cohen allein in seinem Geburtsland unter anderem mit neun Juno-Awards und dem Ordre du Canada!

Michael Bublé

Geboren am 09. September 1975 in Burnaby, British Columbia

Michael Buble
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Zwischen 1984 und 1993 bekleidete Brian Mulroney den Posten des kanadischen Premierministers. Kaum wird er geahnt haben, dass er lange nach seinem Rücktritt noch eine Showkarriere in die Wege leiten würde: Auf der Hochzeit seiner Tochter im Jahr 2000 fiel ein engagierter Sänger mit einer Darbietung von „Mack the Knife“ derart positiv auf, dass postwendend Kontakte zur Plattenindustrie vermittelt worden sind. Der Rest ist Geschichte, wie man sagt – nach ersten Achtungserfolgen in Nordamerika und Großbritannien stieg Michael Steven Bublé spätestens mit seinem Zweitwerk „It’s Time“ (2005) zum weltweit umjubelten Easy-Listening-Darling auf.

Klassiker aus Jazz und Swing werden seitdem mit anhaltender Beliebtheit neu arrangiert, wobei sich Bublé besonders mit dem selbsterklärenden Konzeptalbum „Christmas“ (2011) reich beschenken konnte: Über zehn Millionen Mal klingelte die Kasse bereits. Genug Einnahmen für den Doppelstaatsbürger (kanadisch und italienisch), um nebenbei Mitbesitzer des Eishockeyteams Vancouver Giants zu sein!

Chad Kroeger (Nickelback)

Geboren am 15. November 1974 in Hanna, Alberta

Chad Kroeger
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Mit Nickelback verhält es sich ein wenig wie mit einer berühmten Boulevard-Zeitung. Angeblich interessiert sich kein Mensch dafür – und dennoch werden zuverlässig beachtliche Absätze generiert. Jedem Spott um allzu formelhaftes Songwriting zum Trotz stellt das kanadische Quartett eine der verkaufsstärksten Rockgruppen des insgesamt noch jungen Jahrtausends dar: Sowohl von „Silver Side Up“ (2001) als auch „All the Right Reasons“ (2005) werden mehr als zehn Millionen Exemplare abgesetzt; darüber hinaus läuft in den Nullerjahren keine Nummer häufiger im US-Radio als die Durchbruch-Single „How you remind me“.

Kern der Band sind die Kroeger-Halbbrüder Mike und Chad, wobei letzterer als Frontmann fungiert. Abseits der Hauptband gelingt ihm mit seiner Beteiligung am Titelsong („Hero“) zum Comic-Blockbuster „Spider-Man“ (2002) ein weiterer weltweiter Erfolg, während er durch seine kurzlebige Ehe mit Avril Lavigne vermehrt ins Visier der Klatschpresse gerät.

Feist

Geboren am 13. Februar 1976 in Amherst, Nova Scotia


Durchatmen, langer Satz: Leslie Feist ist bei den Olympischen Winterspielen aufgetreten, hat für diverse Rock- und Punk-Bands in die Saiten gegriffen, wohnte und musizierte gemeinsam mit Elektropop-Provokateurin Peaches und sang als Teil der Broken Social Scene auf einem mit dem prestigeträchtigen Juno-Award ausgezeichneten Album – und all das wohlgemerkt, ehe ihre Solokarriere endgültig in Schwung geraten ist! Fairerweise sollte es nur noch zwei weitere Jahre dauern, bis sie den Musikpreis aus alleiniger Kraft und in doppelter Ausführung gewann: Für ihr Zweitwerk „Let it die“ (2004) bescheinigte man ihr, Kanadas „Best New Artist“ mit dem „Best Alternative Rock Album“ zu sein.

Noch besser kommt „The Reminder“ (2006) an, das bis dato Feists erfolgreichstes Werk darstellt. Den Juno-Award gibt’s diesmal genreübergreifend für das Album des Jahres, während Apple Schützenhilfe leistet: Für einen Werbespot zum inzwischen ausgedienten iPod nano findet „1234“ Verwendung, wodurch der Song zum Hit wird und der Poprockerin unter anderem einen Auftritt in der Sesamstraße ermöglicht.

Bryan Adams

Geboren am 05. November 1959 in Kingston, Ontario

Bryan Adams
(c) Universal Music
Einer soeben erfundenen Umfrage zufolge verbinden 56 Prozent der sogenannten Boomer-Generation einen persönlichen Meilenstein mit einer Bryan-Adams-Nummer. Heißer Kandidat sind dabei selbstverständlich dessen sehnsüchtige Erinnerungen an den „Summer of ´69“, die lange Zeit auf keinem ernstzunehmenden Abschlussball fehlen durften. Umso kurioser, dass ihnen außerhalb von Nordamerika zum ursprünglichen Release (1985) kein kommerzielles Feuerwerk beschieden war! Heute handelt es sich dennoch um Adams‘ wohl bekanntesten Song, der laut einer – diesmal tatsächlich existierenden – Umfrage von Decima Research der absolute Mitsing-Favorit unter autofahrenden Kanadiern ist.

Neben schmissigen Rockern der Marke „Run to you“ wird der auch als Fotograf mehrfach ausgezeichnete Sänger und Gitarrist besonders für seine balladeske Seite geschätzt: Gefühlvolles Material wie „(Everything I do) I do it for you“ oder „Have you ever really loved a Woman?“ untermalt die Kino-Abenteuer von Robin Hood und Don Juan DeMarco in den Neunzigern stilecht. Dabei verbringt erstgenanntes Stück starke 16 Wochen an der Spitze der britischen Charts und gehört bei Listenerstellung zu den 15 erfolgreichsten Singles aller Zeiten!

Grimes

Geboren am 17. März 1988 in Vancouver, British Columbia


Dem „Lern‘ erstmal etwas Vernünftiges“-Mantra entsprechend schreibt sich die junge Claire Boucher zunächst in der McGill University von Montreal ein, um Russisch und Neurowissenschaften zu studieren. Musikfans dürfen sich glücklich schätzen, dass sich ihr Fokus schon bald auf die Kunst verschiebt: Spätestens mit dem experimentellen Elektro-Pop ihres dritten Albums „Visions“ (2012) singt, produziert und gestaltet sich Grimes aus ihrem Apartment heraus in die Herzen der Kritiker. Einen Juno-Award gibts in der Heimat, während das Branchenmagazin Pitchfork „Oblivion“ als zweitbesten Song der 2010er würdigt!

Einer wirklich breiten Öffentlichkeit dürfte Grimes trotz ihrer unverkennbaren musikalischen Leistung als Partnerin von Tech-Enigma Elon Musk bekannt geworden sein. Im Frühling 2020 sorgt das erste gemeinsame Kind des kreativen Power-Pärchens für Schlagzeilen, was insbesondere dem eigenwilligen Namen des Nachwuchses geschuldet ist: Unter anderem von einem Lockheed-Aufklärungsflugzeug und einer eigenen Elfensprache inspiriert fällt die Wahl auf X Æ A-Xii Musk.

The Weeknd

Geboren am 16. Februar 1990 in Toronto, Ontario

The Weeknd
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Wie erwähnt gelang Grimes im Jahre 2012 der große Durchbruch, so dass eine Juno-Nominierung als „Breakthrough Artist of the Year“ reine Formsache war. Geschlagen geben musste sich das exzentrische Talent trotzdem, denn Abel Makkonen Tesfaye – besser bekannt als The Weeknd – setzte zeitgleich zu seinem internationalen Siegeszug an: Mithilfe von Drake, Mixtapes und YouTube-Videos konnte sich der Sohn äthiopischer Einwanderer eine begeisterte Basis erarbeiten, die bereits das Debütalbum „Kiss Land“ (2013) auf die vordersten Ränge nordamerikanischer Charts hievte. Umso erfolgreichere LPs inklusive weltweiter Hits wie „Starboy“, „The Hills“, „I can’t feel my Face“ oder „Blinding Lights“ sollten sich bald anschließen!

Für seinen nicht selten mit düster-melancholischer Note versehenen R&B durfte The Weeknd dementsprechend schon in jungen Karrierejahren zahlreiche Ehrungen entgegennehmen. Neben diversen weiteren Juno-Awards, Grammys oder einer Oscar-Nominierung (für „Earned it“ vom „Fifty Shades of Grey“-Soundtrack) wurde Tesfaye so zum Beispiel längst mit einem Ahornblatt auf Canada’s Walk of Fame, zu finden in seiner Geburtsstadt, gewürdigt.

Nelly Furtado

Geboren am 02. Dezember 1978 in Victoria, British Columbia

Nelly Furtado
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Besuche im belebten Toronto dienen Nelly Kim Furtado in den späten Neunzigern als Ausgangspunkt einer facettenreichen Karriere. Die Tochter portugiesischer Einwanderer knüpft erste musikalische Kontakte in der Provinzhauptstadt Ontarios, ist kurzzeitig Teil eines TripHop-Duos und erarbeitet sich schließlich einen Solo-Plattenvertrag, dessen Resultat „Whoa, Nelly!“ sein sollte: Nach verhaltenem Start avanciert die im Herbst 2000 veröffentlichte Platte dank Sommerhits wie „I’m like a Bird“ und „Turn off the Light“ doch noch zum internationalen Erfolg.

Stilistisch stößt Furtados Bubblegum-freier Pop-Ansatz auf Anklang, weshalb sie Einflüsse verschiedener Kulturen und Spielarten auf dem Nachfolger „Folklore“ umso selbstbewusster einbindet. Im Herkunftsland ihrer Eltern singt sie 2004 ihre Fußball-Hymne „Força“ vor dem EM-Finale, ehe sie mit dem größtenteils von Timbaland produzierten „Loose“ ihr bislang erfolgreichstes Album (2006; mehr als acht Millionen verkaufte Exemplare) veröffentlicht. In Kanada wird die humanitär engagierte Sängerin mit einer zweistelligen Anzahl an Juno-Awards geehrt!

Joni Mitchell

Geboren am 07. November 1943 in Fort Macleod, Alberta


Manchmal lernt man etwas erst zu schätzen, wenn es nicht mehr da ist. Auf das inspirierende Schaffen von Joni Mitchell wird diese alte Weisheit allerdings niemals zutreffen – schließlich lässt sich schon heute unmöglich über die bedeutendsten Songwriterinnen aller Zeiten sprechen, ohne die Folk-Ikone würdigend zu erwähnen. Müssten wir Mitchells Musik unter Zwang in einem einzigen Wort beschreiben, würde die Wahl wohl auf „bittersüß“ fallen: Zeitlose Nummern wie der Umwelt-Appel „Big Yellow Taxi“ oder das resümierende „Both Sides, now“ verpacken nachdenkliche Zeilen in wunderschöne Melodien, die an gewissen Tagen auch nach dem x-ten Durchlauf unter die Haut gehen.

Die mit insgesamt neun Grammys (unter anderem für das Erfolgsalbum „Court and Spark“, 1974) ausgezeichnete Vorreiterin wird häufig als erste Frau gehandelt, die in der modernen Musikwelt unbestritten als „vollwertige“ Künstlerin respektiert wurde. So wundert es kaum, dass ihren teils schonungslos offenen Verarbeitungs-Songs die Beziehungen zu ähnlich geschätzten Kreativen wie Leonard Cohen oder Graham Nash als Inspiration dienten!

Avril Lavigne

Geboren am 27. September 1984 in Belleville, Ontario

Avril Lavigne
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Um die Jahrtausendwende drücken Britney Spears und Christina Aguilera dem Bild der modernen Pop-Sängerin einen sagenhaft erfolgreichen Stempel auf. Als Gegenentwurf zum mancherorts jedoch als reichlich oberflächlich empfundenen „Sex Sells“-Konzept wird Avril Lavigne ins Rennen geschickt: Die damals 17-jährige trägt Caps, weite Hosen und Chuck Taylors. Sie hängt mit Freunden in der Mall rum, zieht den örtlichen „Sk8ter Boi“ den aalglatten Kens aus den Musikvideos ihrer Kolleginnen vor und nimmt aktiv am Songwriting ihres ersten Albums teil. Dessen Lead-Single „Complicated“ schwingt sich zu einem der erfolgreichsten Songs des Jahrzehnts auf und führt 2003 zu vier Juno-Awards in der kanadischen Heimat!

Das Sprungbrett für eine anhaltende Karriere: Auch erwachsen und ohne rebellisches Image landet Lavigne mit „Girlfriend“, „When you’re gone“, „Here’s to never growing up“ oder „Head above Water“ zuverlässig weitere Hits. Schlagzeilen generiert sie zudem mit ihren Ehen zu zwei weiteren, auf dieser Liste vertretenen Herrschaften…

Deryck Whibley (Sum 41)

Geboren am 21. März 1980 in Toronto, Ontario

Deryck Whibley
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… und es versteht sich hoffentlich von selbst, dass wir uns eine derart dankbare Überleitung nicht nehmen lassen: Von 2006 bis 2010 war Deryck Whibley mit Avril Lavigne verheiratet und überdies als Produzent an deren Erfolgsalbum „The Best Damn Thing“ beteiligt. Natürlich hatte sich der leidenschaftliche Gitarrensammler zu diesem Zeitpunkt längst einen eigenen Namen gemacht, immerhin schoss schon das Debütalbum seiner Band Sum 41 weltweit auf die vorderen Chartränge! Allein in der kanadischen Heimat wurde „All Killer No Filler“ (2001) mit Dreifach-Platin und einem Juno-Award (Gruppe des Jahres) belohnt, was vor allem auf den Pop-Punk-Superhit „Fat Lip“ zurückzuführen ist.

In weiser Voraussicht haben sich Whibley und seine Mitstreiter anschließend nicht auf den anhaltenden Erfolg des damals brandheißen Trends verlassen: Im Rahmen der energischen Gitarrenmusik bedient die Gruppe eine erfrischende Bandbreite, die sie auch zwei Jahrzehnte nach dem kommerziellen Durchbruch zum gern gesehenen Gast auf den größten Rock-Festivals der Erde macht.

Geddy Lee (Rush)

Geboren am 29. Juli 1953 in Toronto, Ontario

Geddy Lee
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Musik ist erwiesenermaßen Geschmackssache. Insofern wird es Menschen geben, die sich schlicht nicht für Rush begeistern – den gebührenden Respekt verweigert dem kanadischen Trio jedoch niemand, der in Fachkreisen weiterhin für voll genommen werden will. Mit komplexen Arrangements, geistreichen Lyrics und spielerischer Finesse auf allen Positionen haben Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart vor allem den progressiv geprägten Flügel der Rockwelt nachhaltig inspiriert.

Dabei geht Bassist und Sänger Lee keinesfalls als klassisches Goldkehlchen durch: Seine eigentümlich hohe und nicht unbedingt vor Kraft strotzende Stimme verlangt Einsteigern ins reichhaltige Rush-Gesamtwerk häufig eine gewisse Eingewöhnungszeit ab. Dem bahnbrechenden Erfolg seiner Band stand sie offensichtlich nie nennenswert im Weg, denn neben abgesetzten Platten in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe durften sich die 2018 aufgelösten Rock-Visionäre im Laufe ihrer Karriere zudem über neun Juno-Awards freuen. Unter anderem wurden Lee und seine beiden Mitstreiter mit Bezug auf die glorreichen Achtziger zum „Artist of the Decade“ gekürt!

Paul Anka

Geboren am 30. Juli 1941 in Ottawa, Ontario

Paul Anka
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Mit Justin Bieber und Shawn Mendes kann Kanada zwei natürlich auch auf dieser Liste vertretene Sänger verzeichnen, die bereits in jüngsten Jahren zu Ruhm gekommen sind. Während sich die beiden zu Beginn ihrer Karriere auf Coverversionen und versierte Produzenten verlassen haben, schüttelte Paul Albert Anka mit gerade einmal 15 Jahren einen eigenen Welthit aus dem Ärmel: „Diana“ setzte seinerzeit mehr als zehn Millionen Schallplatten ab und zählt bis heute zu den erfolgreichsten Singles der Musikgeschichte. Neben weiteren Hits – etwa „Lonely Boy“, „Put your Head on my Shoulder“ oder „(You’re) Having my Baby“ landete er im Laufe seiner ausdauernden Karriere auch zahlreiche Filmrollen und Auftritte in Las Vegas.

Nicht verschwiegen werden darf zudem Ankas mitunter extrem erfolgreiche Arbeit für andere Künstler: Das Mitglied der kanadischen Music Hall of Fame unterstützte Landsmann Michael Bublé als Produzent, texte die englische Fassung des legendären „My Way“ für Frank Sinatra oder schrieb „Tiger“ Tom Jones dessen Klassiker „She’s a Lady“ auf den Leib.

Schlusssatz
Kanada kann eine Menge mehr als Ahornsirup und Eishockey, wie unsere Zusammenstellung der erfolgreichsten Sänger und Sängerinnen Kanadas spielend belegen sollte! Am Ende des Tages ist generell natürlich zweitrangig, woher Musiker stammen – letztlich zählt lediglich, dass sie Millionen auf der gesamten Welt mit einer herrlich universellen Sprache erreichen konnten.

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