Klavierspielen lernen als Erwachsener – 10 gute Gründe, jetzt anzufangen!

Mann spielt Klavier
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Kann man als Erwachsener noch Klavierspielen lernen?

Aber selbstverständlich! Das Klavier ist ein tolles Instrument, und im Gegensatz etwa zur Geige oder Trompete klingt es von Anfang an schön. Ob „Für Elise“, Filmmusik oder Blues – am Klavier kannst du deine Lieblingsmusik selbst zum Klingen bringen!

Muss man nicht als Kind damit anfangen? Nein!

Oft wird immer noch das überholte Argument angebracht, dass ein Erwachsener kein Musikinstrument erlernen könne – das müsse man schon als Kind tun. Kinder würden schneller lernen, und außerdem: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Unter den Musikpädagogen ist man sich schon länger einig, dass das so nicht stimmt. Sicherlich ist es von Vorteil, jung zu beginnen, wenn man die großen Bühnen dieser Welt erobern will. Doch jemand, der einfach Lust hat, auf dem Klavier die Musik zu spielen, die er gern mag, um vom Stress und täglichen Einerlei abzuschalten zu können, der kann auch mit 20, 30, 40 Jahren oder noch später damit beginnen. Und er hat gegenüber den Kindern sogar einige Vorteile!

Hier sind 10 gute Gründe, als Erwachsener mit dem Klavierspielen anzufangen:

1. Du hast dich selbst entschieden!

Dies ist der erste und allerwichtigste Grund, als Erwachsener Klavierspielen zu lernen: Du möchtest es! Und das ist nicht nur ein Grund, sondern auch gleichzeitig ein Vorteil gegenüber einigen Kindern. Auch Kinder zeigen manchmal Vorlieben für ein Instrument, aber viel öfter beschließen ihre Eltern für sie, dass sie Musik machen sollen. Du als Erwachsener hast dich selbst für das Klavier entschieden, und das doch nicht ohne Grund! Klavierspielen ist wunderbar, und dass du Lust hast Klavierspielen zu lernen, ist ebenso wunderbar! Es ist ein tolles Hobby, das mit ein wenig Übung viel Entspannung vom Alltag bringt und dein Leben bereichern wird.

2. Dein Alter ist ein Vorteil!

Viele Erwachsene glauben, dass es zu spät sei, nun noch ein Instrument zu erlernen. Sie glauben, dass Kindern das leichter falle und sie als Erwachsene keine Chance mehr hätten. Doch das ist nicht wahr – in mancherlei Hinsicht ist sogar das Gegenteil der Fall! Erwachsene lernen anders als Kinder. Ihr Denkvermögen ist vollständig entwickelt, und durch die Schule und das Berufsleben haben sie eine Menge Erfahrung darin, wie man schnell und effizient arbeitet. Das abstrakte Denkvermögen, das benötigt wird, um Dinge wie Noten zu verstehen, setzt erst mit dem 10. Lebensjahr ein. Daher fällt es einem Kind unter dieser Altersgrenze sehr schwer, beispielsweise Noten und Akkorde zu lernen. Du kannst das! Ein Erwachsener am Klavier lernt gerade in den ersten Unterrichtsstunden oft schneller als ein durchschnittlicher minderjähriger Schüler.

Und: Erwachsene sind geduldiger! Sie wissen, dass zum Lernen auch Misserfolge gehören, dass man eine Sache manchmal ein paar Mal probieren muss, bis sie klappt. Kinder sind sehr glücklich, wenn der Lehrer ihnen zum Beispiel eine kleine Melodie vorspielt und sie sie gleich fehlerlos nachspielen können. Aber wenn sie sich verspielen, werden sie schnell wütend oder weinen – der Frust ist groß! Du als Erwachsener weißt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Alle müssen üben, auch die Profis. Und wenn du dich verspielst, machst du es einfach nochmal – dann wird es gut werden.

3. Du bestimmst, was du auf dem Klavier spielen möchtest

Als Erwachsener läuft dein Unterricht am Klavier ganz anders ab als der eines Kindes: Du kannst deine eigenen Wünsche formulieren und dir im Vorfeld bewusst machen, wohin der Unterricht führen soll. Hast du einen Lieblingssong, ein besonderes Musikstück, vielleicht die Melodie aus einem Film, die du unbedingt lernen möchtest? Teile deinem Lehrer deine Wünsche mit, und er wird dich dorthin bringen.

Kinder sind oft unmotiviert, weil sie Lieder oder Stücke auf dem Klavier spielen sollen, die ihnen nicht gefallen – und das ist schwer! Du als Erwachsener musst so etwas nicht. Oder bevorzugst du einen bestimmten Musikstil: Klassik, Jazz oder Pop? Trau dich und sprich deinen Lehrer gleich am Anfang darauf an! Er kann sich dann auf deine Wünsche einstellen.

4. Du hast freie Lehrerwahl

Sollte dein Lehrer auf deine Wünsche nicht eingehen wollen oder können, dann hast du gegenüber einem Kind einen weiteren Vorteil: Such dir einen anderen Lehrer!

Klavier lernen kann man an vielen Orten. Es gibt private und öffentliche Musikschulen, freischaffende Musiker, Kirchenmusiker oder Musikstudenten, bei denen man das Spielen am Klavier lernen kann. Du bist erwachsen, du hast die freie Wahl! Manchmal stimmt auch die Chemie zwischen zwei Menschen nicht, und so etwas muss man sich als Erwachsener nicht mehr antun – jedenfalls nicht im Freizeitbereich.

5. Du hast dich für ein passendes Instrument entschieden

Im Gegensatz zur Geige oder einem Blasinstrument hat das Klavier den Vorteil, dass es nicht lang dauert, bis die Töne gut klingen. Der Klang der Tasten ist festgelegt, man muss sie „nur“ anschlagen. Auf der Geige dauert es eine ganze Weile, bis die Töne sauber klingen, das erfordert in den ersten Stunden eine Menge Disziplin und Geduld. Am Klavier kannst du gleich loslegen mit dem Liederlernen!

6. Nur keinen Stress!

Nimm dir Zeit für deine Übungen am Klavier! Am Anfang genügen einige Minuten täglich. Je mehr du kannst, desto länger wirst du am Klavier sitzen – die Zeit vergeht von selbst! Wenn du etwas nicht gleich hinbekommst, mach dir keinen Stress. Es gilt ja keine Wettbewerbe zu gewinnen! Und wenn du dein Lieblingslied etwas langsamer spielst, als es auf der CD zu hören ist – wen sollte das stören? Die Hauptsache ist, dass du Freude beim Spielen am Klavier hast.

7. Die Bühne oder das stille Kämmerlein

Im Gegensatz zu den Kindern kannst du selbstverständlich auch für dich festlegen, was du mit deinen Klavierkünsten anfangen möchtest. Hast du Lust, in einer Band zu spielen? Vielleicht auf Hochzeiten oder Festen aufzutreten? Dann such dir Gleichgesinnte und legt los! Schon mit einigen Akkorden kannst du die ersten Rock- und Pop-Lieder auf einem Klavier oder Keyboard begleiten. Erst kommt das Üben im Proberaum, und wenn ihr euch sicher fühlt, geht es auf die Bühne. Oder ist das nichts für dich? Möchtest du einfach nur etwas für dich selbst tun? Auch das ist etwas Schönes! Du wolltest schon immer die Melodie aus „Stolz und Vorurteil“ oder „Ziemlich beste Freunde“ spielen, nur für dich allein? Natürlich geht das! Wann und wo du dein Piano spielst, ist allein deine Entscheidung.

8. Du bist ein guter Zeit-Manager

Seien wir ehrlich: Das regelmäßige Üben gehört zum Klavierlernen dazu.

Viele Erwachsene schrecken davor zurück: Der Alltag ist doch jetzt schon so voll, wie soll ich das schaffen? Du hast auch hier einen Vorteil gegenüber einem Kind: Du hast schon eine Menge Übung und Erfahrung darin, dir deine Zeit selbst einzuteilen! Strukturiere deinen Tag so, dass auch immer ein paar Minuten für das Piano dabei sind. Sprich dies auch mit deinem Partner und deinen Kindern ab. Diese kleine Auszeit brauchst du für dich allein. Und wenn du einmal deine Übungszeit doch ausfallen lassen musst, weil ein wichtiger Termin ansteht, dein Kind krank ist oder etwas Ähnliches, dann ist das auch kein Weltuntergang! Du verlernst nicht an einem Tag alles. Aber nimm dir beim nächsten Mal vielleicht etwas mehr Zeit. So bleibst du fit am Klavier.

9. Nutze deine Lieblingsmusik!

Auch das intensive Musikhören ist eine Art des Klavierübens. Wenn du die ersten Unterrichtsstunden am Piano absolviert hast, wirst du merken, dass du einige Dinge in der Musik wiedererkennst, vielleicht eine Melodie oder einen bestimmten Rhythmus. Das ist sehr gut! Nutze dein neues Wissen, um deine Kenntnisse zu vertiefen. Du kannst zum Beispiel versuchen, dir beim Musikhören Melodien zu merken und sie auf dem Klavier nachzuspielen. Das macht Spaß und bringt dich vorwärts.

10. Vergiss niemals den Spaß!

Es gibt sie, diese Tage, an denen nichts gelingen will. An denen man unmotiviert vor seinem Piano sitzt und einfach keine Lust hat, sich neuen Aufgaben zu stellen. Doch auch solche Tage müssen nicht vergebens sein! Im Gegensatz zu einem Kind, das seinen Frust schnell auf sämtliche andere Dinge überträgt, kannst du dich in dieser Situation an das erinnern, was Spaß gemacht hat: Nimm deine alten Stücke vom Anfang und spiele nur das, was du schon kannst! Geht eines der Lieder nicht mehr, lege es beiseite und nimm das Nächste! An manchen Tagen ist das einfach so. Und indem du trotzdem Klavier spielst, trainierst du weiter. Jedes gespielte Lied ist ein gutes Lied.

„Ein Bier für den Mann (oder die Frau) am Klavier“

Es gibt so viele gute Gründe, als Erwachsener mit dem Klavierspielen zu beginnen. Wichtig ist dabei eigentlich nur, dass es dir Freude macht. Genieße deine Zeit für dich und mit der schönen Musik! Und auch, wenn der berühmte Song “Ein Bier für den Mann am Klavier” von Paul Kuhn natürlich nicht so ganz ernst gemeint ist, enthält dieser Schlager ein Körnchen Wahrheit: Ein kleines Glas Bier oder Wein hilft manchmal, den richtigen Schwung am Klavier zu finden, loszulassen und sich ganz der Musik hinzugeben. Obwohl man dazu selbstverständlich nicht unbedingt Alkohol braucht. Spaß und Entspannung stehen im Vordergrund, wenn du Klavierspielen lernst.

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