Der Club (2021) Staffel 1: Die Kritik zur Netflix-Serie

Der Club, eine historische türkische Serie von Netflix, handelt von einer Mutter und ihrer Tochter, die lernen müssen sich in der Türkei der 1950er Jahre zurechtzufinden.

Wenn Serien uns an Orte und in Kulturkreise bringen, die uns vielleicht völlig fremd sind, ist es immer faszinierend, neue Welten zu entdecken und zu erforschen und gleichzeitig etwas zu erzählen, was wir schon kennen. Die neue türkische Historien-Serie von Netflix, lässt sich am besten in diesem Kontext sehen. Anders ausgedrückt: Der Club (2021) ist eher eine Seifenoper über die türkische Kultur in den 1950er Jahren als ein echtes Abbild dieser Kultur.

Die Mutter für viele verlorene Seelen

In den 1950er Jahren ermordet eine Frau namens Matilda im kosmopolitischen Istanbul scheinbar kaltblütig einen Mann auf dem Dach eines Gebäudes. Mit Hilfe der türkischen Regierung wird sie plötzlich aus dem Gefängnis befreit und möchte nach Israel fliehen – ein Wunsch, den praktisch alle Figuren der Serie teilen. „Auf ein Schiff steigen und abhauen“ scheint die türkische Entsprechung des amerikanischen Traums zu sein. Matilda hat in der Zwischenzeit ein kleines Mädchen zur Welt gebracht, das sie jedoch zur Adoption freigeben musste, da sie im Gefängnis ist. In einem Waisenhaus wurde sie von einem Anwalt aufgezogen, der sich den Fall ihrer Mutter angenommen hatte, und heute ist sie eine rebellische Teenagerin.

Das Leben der beiden Frauen wird von dem jungen Politiker Orhan, dem Manager eines Nachtclubs, und seinem Gehilfen Elebi sowie von Selim, einem männlichen Sänger, der durch Auftritte im Club Istanbul berühmt werden will, stark beeinflusst. Der Verzicht auf weibliche Unterhaltung in einem Nachtclub war eine der zahlreichen „Revolutionen“ der damaligen Zeit. Als Matilda eintrifft, verwandelt sich der Club in einen Zufluchtsort für Leute, die nicht ehrlich zu sich selbst sind. Der Nachtclub ist ein Zufluchtsort für die Ausgestoßenen der Gesellschaft, die in den Neonlichtern Antworten auf ihre Probleme und Gebete finden wollen. All dies verbindet das Alte und das Neue in der türkischen Gesellschaft, genau wie Selims Lieder, was die Serie aufgrund der Beziehung zwischen den Texten und dem, was den Protagonisten widerfährt, oft fast zu einem Musical macht.

Eine Geschichte voller Klischees

Außerdem folgt die Serie Raşel, einer jungen Frau, die unabhängig ist und Gefahr läuft, sich in den legendären Casanova Fistik Ismet zu verlieben. Während der Club Istanbul für seine Kunden ein Zufluchtsort ist, ist er für sein Personal, das Schuldgefühle und Geheimnisse zu wahren hat, ein Elend. Während die soziale Ungleichheit in der türkischen Atmosphäre der 1950er Jahre mit ihren recht gut erhaltenen Kostümen und Inszenierungen interessant ist, gilt dies nicht für das oft überzogene Schauspiel der Schauspieler.

Es ist ein Thema, das auch in anderen Serien vorkommt: die Familie, nicht die, in die man hineingeboren wird, sondern die, die man mit Freunden und Kollegen gründet. Raşel zum Beispiel hat kein stabiles Elternhaus. In Rückblenden wird die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft, so wie auch die Schicksale der Mitarbeiter und Gäste des Clubs einander verwoben sind. Es gibt diejenigen, die nach Erlösung suchen, diejenigen, die ihren höchsten künstlerischen Ausdruck suchen (eine der überzeugendsten Darbietungen ist die von Selim), diejenigen, die nach Rache streben, und diejenigen, die einfach nur als geliebt und für das geschätzt werden möchten, was sie innerlich fühlen. Die Charakterisierung der Figuren ist nicht nur voller Klischees, sondern manchmal auch zu extrem und klar in der Darstellung der „Guten“ und der „Bösen“ der Geschichte, während die Realität, wie wir wissen, viel häufiger auch Grautöne enthält.

Fazit:

Wir beenden unsere Kritik von „Der Club“ mit der Freude über die Präsentation einer anderen Kultur, aber auch mit der Unzufriedenheit darüber, dass der Film nicht viel mehr als ein Soap-Drama mit Mystery-Tönen ist. Die beiden Charaktere, Mutter und Tochter, sind nicht besonders fesselnd und verlassen sich zu sehr auf ihre jeweiligen Klischees. Die Interpretation des Sängers Selim, eine echte Stimme, die gehört werden und sich auf die aufrichtigste und ehrlichste Weise ausdrücken muss, sticht mehr hervor.

Der Club
Bewertung des Redakteurs:
2

Trailer zur Netflix-Serie „Der Club“:

11 Gedanken zu „Der Club (2021) Staffel 1: Die Kritik zur Netflix-Serie“

  1. Die negative Filmkritik von Lisa Borch ist nicht nachvollziehbar. Diese Serie hat ein ungewöhnlich interessantes Drehbuch, sehr talentierte Schauspieler, eine gute Regie und, auch nicht typisch für Netflixserien, eine spannende Charakterentwicklung.

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  2. Die Serie ist erste Sahne!!! Bewertung von Redakteur ist nicht nachvollziehbar!!!

    Ich habe mir die 1 Staffel komplett angeschaut und gebe aufjedenfall 5 Sterne!

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  3. Sorry aber diese kritik selbst ist voller klisches. Mir scheint die kritikerin hat die Serie nicht gesehen oder sich selbst klisches bedient.
    Die Serie hat sehr viele Grautöne und die Charaktere haben tiefe.
    Wirklich absolut nicht nachvollziehbar. ich kann den Leuten nur empfehleb schaut euch die Serie an und macht euch selbst ein Bild. Spätestens dann merkt ihr selbst, dass nicht fair ist.

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  4. Die Bewertung von Frau Borch ist fachlich nicht fundiert, oberflächlich, schlecht und nicht nachvollziehbar! Schauen Sie sich mal die Bewertungen auf IMDB an! Frau Lisa Borch stellt Behauptungen auf, ohne diese zu begründen (Beispiel: „Das Schauspiel der Schauspieler ist überzogen.“) Der Grund wird mit keiner Silbe erwähnt. Wenn sie etwas behaupten, müssen sie auch ihre Thesen begründen. Es ist nicht fair!

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  5. Istanbul ist eine Stadt die armenier, rum (romäne ja nicht rumäne) sephardischen juden und auch andere ethnien beheimatet. Wurde nicht mal erwähnt die kluft zwischen den sephardischen juden und den türken was sich durch den ganzen film zieht mit musik, beziehungen die nicht sein dürfen wegen religion kultur. In der kritik fehlt die ganze hauptthematik des films?Es hat einfach die zeit voll getroffen..

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  6. Muss mich meinen Vorrednern anschließen: Angesichts der Opulenz der Produktion, der tiefgründigen Thematik, des außergewöhnlichen Schauspiels ausnahmslos aller Schauspieler, wird die Kritik der Serie nicht im Ansatz gerecht.

    Sie würde als Musterbeispiel einer Kritik zu diversen türkischen Serien passen (Ich bin überhaupt kein Fan des Genres), nicht aber zu „The Club“.

    Es ist eine Liebeserklärung an die Musik als Kunstform, an das von Orhan Pamuk beschriebene Istanbul der 50’er Jahre… ein Appell an das liebevolle Miteinander verschiedener Kulturen.

    Somit ist es all‘ das, was die Autorin des Textes scheinbar nicht gesehen hat. Was aber eher an der „Kritikerin“ liegt, als an dieser bezaubernden Serie. Man hätte seine eigene Ahnungslosigkeit nicht besser zur Schau stellen können als mit der Bezeichnung „Telenovela“.

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  7. Ich schließe mich den Kommentaren an – ich habe diese Serie mit großem Interesse gesehen und mich gefreut an den Details der Ausstattung, das Einfangen des Zeitgeistes und den guten Schauspielern. Ich freue mich auf die zweite STaffel. Klar – ich würde mir wünschen, dass ich noch mehr von der Geschichte der Türkei und Istanbuls. der sephardischen Juden und dem sich anbahnenden Konflikten aufgrund der nationalistischen Strömung (die Türkei den Türken) erfahren könnte. guter Film und bravo für Netflix

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