EDM, Techno, House, Electro: Die Unterschiede und Geschichte der Genres

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Wenn jemand bekundet, am liebsten elektronische Musik zu hören, so kann diese Aussage viele Facetten der unterschiedlichsten Stilrichtungen meinen. Denn in Wahrheit ist Electro nicht gleich Electro, auch wenn diese Tatsache noch immer nicht im breiten Bewusstsein der internationalen Musikfans angekommen ist. Um diese musikalische Wissenslücke ein für alle Mal zu schließen, haben wir den nun nachfolgenden Ratgeber für euch erstellt.

Wir werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Genres der elektronischen Musik und klären euch darüber auf, worin der Unterschied zwischen Techno, EDM, Electro und House besteht. Im selben Atemzug erzählen wir euch etwas über die Entstehungsgeschichten der unterschiedlichen Stile.

Der technische Fortschritt als Wegbereiter der elektronischen Musik

Die elektronischen Klänge sind nunmehr seit vier Jahrzehnten nicht mehr aus der Musikwelt wegzudenken. Ganz egal ob in den heimischen vier Wänden oder in den angesagtesten Clubs, Techno, Electro und Co. dröhnen scheinbar durch alle Einrichtungen, die auch nur im entferntesten etwas mit Musik zu tun haben.

Hauptverantwortlich für diese musikalische Entwicklung war dabei der technische Fortschritt innerhalb der Szene. Mit Hilfe des neuartigen Samplers ergaben sich für Produzenten hinsichtlich der Komposition eines Stückes vollkommen neue Möglichkeiten. Auch der Roland TR-808, ein japanischer Drumcomputer, leistete einen großen Anteil an der Entstehung der elektronischen Tanzmusik. Das Device kam im Jahre 1980 auf den Markt und hat die Entwicklung des Electro sowie des Hip-Hop maßgeblich geprägt. Obwohl mittlerweile 40 Jahre alt, findet der TR-808 noch immer in der Szene Verwendung und kommt nach wie vor bei vielen Produktionen und Live-Sessions zum Einsatz.

Retrospektiv gesehen kam die Entwicklung dieser Technologien einer musikalischen Revolution gleich. Während zuvor noch große Ensembles nötig waren, um einen Song zu performen oder aufzunehmen, wurden Instrumente und Künstler für die Produktion von Musikstücken praktisch auf einen Schlag überflüssig. Zudem konnten aufgenommene Stücke mit Hilfe des Samplers und des TR-808 geremixed und in verschiedenen Versionen auf den Markt gebracht werden. Der Weg für die Entstehung völlig neuartiger Musikgenres war geebnet. Im Folgenden werfen wir einen genauen Blick auf die verschiedenen Facetten der elektronischen Musik und erklären euch die wichtigsten Unterschiede zwischen den einzelnen Stilrichtungen.

Techno – Der Ursprung der elektronischen Musik

Ein maßgeblicher Anteil für die Entstehung und Etablierung des Techno wird der deutschen Gruppe Kraftwerk zugesprochen. Innerhalb der Szene galt das aus Ralf Hütter und Florian Schneider bestehende Duo als Pionier der elektronischen Musikwelt. Schon zu Beginn der 80er Jahre verwendete Kraftwerk den Begriff „Techno“ für eine ihrer Veröffentlichung.

Darüber hinaus sorgten Sven Väth und WestBam hierzulande dafür, dass der Techno seinen Nischenstatus ablegen und einem breiten Publikum schmackhaft gemacht werden konnte. WestBam war indes auch entscheidend an der Gründung der Loveparade beteiligt. Die Techno-Veranstaltung fand das erste Mal im Jahr 1989 statt und machte aus dem Genre eine mediales Großereignis, das im Laufe der Jahre immer mehr Fans in seinen Bann zog. Wie wir heute wissen, kam es während der Loveparade von 2010 zu einer tragischen Massenpanik, die insgesamt 21 Todesopfer forderte. Aufgrund dieser Katastrophe wurde die Veranstaltung in den folgenden Jahren ausgesetzt und fand seit jeher nicht mehr statt.

Stilistisch gesehen zeichnete sich der Techno durch seine vergleichsweise harten, unkonventionellen Sounds aus. Die musikalische Richtung wollte sich in ihrer Andersartigkeit ganz bewusst von den Klängen des Mainstream unterscheiden und verfolgte in erster Linie nicht das Ziel des kommerziellen Erfolges. Gleichzeitig erhielt ein weiteres Phänomen Einzug in die Musikwelt. Während die verschiedenen Sänger und Bands in der Vergangenheit öffentlich noch wie Gottheiten verehrt wurden, hielten sich die Techno-DJs dezent im Hintergrund und waren außerhalb der Szene praktisch unbekannt. Auch die Länge der Tracks nahm bis dato ungeahnte Ausmaße an. Die zuweilen repetitiven, tranceähnlichen Vibes wurden nach der Etablierung der großen Techno-Veranstaltungen auch häufig mit dem Konsum von illegalen, chemischen Substanzen in Verbindung gebracht – und das nicht immer zu unrecht.

Schnell war klar, dass sich aus der Entstehung des Techno eine ganz eigene Szene entwickeln würde, die in den Leben mancher deutscher Jugendlicher in etwa denselben Stellenwert einnahm wie zuvor noch der Punk. Die Einstiegshürde, um selbst mit dem produzieren der charakteristischen, elektronischen Sounds zu beginnen, war denkbar niedrig. Wer über die entsprechenden Devices verfügte, konnte im Handumdrehen selbst zum DJ werden und eigene Songs erstellen, ohne dabei auf die Hilfe zahlreicher weiterer Musiker angewiesen zu sein.

Electronic Dance Music – Wenn Techno auf Kommerz trifft

Unser nächster Haltepunkt auf der Reise durch die verschiedenen elektronischen Musikstile trägt den Namen „Electronic Dance Music“. Das Genre, welches der Einfachheit halber zumeist mit „EDM“ abgekürzt wird, gilt unter Kennern als am meisten kommerzialisierte Richtung innerhalb der elektronischen Musik.

Während der Techno zu Beginn seiner Ära noch in kleinen Clubs und vor einem vergleichsweise kleinen Publikum gespielt wurde, zielte EDM seit dem Start weg darauf ab, riesige Massen in ihren Bann zu ziehen und dabei ganze Stadien bis auf den letzten Platz zu füllen. Klanglich mögen sich die Tracks aus EDM und Techno durchaus ähneln, jedoch verfolgen beide Stile völlig unterschiedliche Ziele. Electronic Dance Music möchte einen breiten, kommerziellen Markt erreichen und die Menschen zu riesigen Großveranstaltungen locken. Deshalb entschieden sich die führenden Köpfe hinter dieser Stilrichtung auch dafür, aus den EDM-Veranstaltungen wahrhaftige Spektakel zu machen. Die EDM-Events sind daher nicht nur für ihre charakteristischen Sound-Drops und -Breaks berühmt, sondern ebenso für ihre Konfetti-Salven und die aufwendigen Pyroshows.

Im Gegensatz zum Techno gelten auch die DJs der EDM als berühmte Koryphäen ihres Fachs und sind häufig weit über die Grenzen des Genres hinaus bekannt. Als berühmte EDM-Produzenten seien an dieser Stelle einmal Calvin Harris und Tiesto genannt.

Viele Techno-Fans verfolgten die Entwicklung der EDM mit Missgunst. Die Freunde der elektronischen Klänge bemängelten, dass es bei den Zirkusgleichen Events nicht mehr um die Musik selbst gehe, sondern nur noch darum, wie sich aus dem Genre möglichst viel Kapital schlagen ließe. Von daher wird Electronic Dance Music häufig auch schlichtweg als kommerzialisierter Techno definiert, der vor allem unter dem Einfluss amerikanischer Köpfe entstand.

Electro – Sprechgesang und funkige Beats

Häufig wird der Begriff „Electro“ als Synonym für die unterschiedlichsten Stilrichtungen der elektronischen Musik verwendet. In Wahrheit gilt Electro jedoch nicht als Sammelbegriff für EDM, House und Co. sondern stellt für sich genommen eine eigene Unterart des Techno dar.

Im Falle des Electro sind die Beats jedoch synkopiert und kommen mit einem Vibe daher, der in seiner Tonalität viele Elemente aus dem Bereich des Funk aufweist. Während der 1980er Jahre wurde mit dem Ausdruck „Electro“ noch vor allem das Zusammenspiel von Rap und elektronischen Sounds gemeint.

Das wohl bekannteste Exemplar dieser frühen Electro-Ära ist zweifelsohne der Track „Planet Rock“ vom Artist Afrika Bambaataa, welcher im Jahr 1982 auf dem Markt erschien. Wie sehr sich die Stilrichtung mittlerweile von seinen ursprünglichen Wurzeln entfernt hat, wird schnell klar, wenn man sich einmal einen aktuellen Track von Robin Schulz oder Alle Farben zu Gemüte führt.

House – Tanzbarer Techno

Die Stilrichtung „House“ entwickelte sich in etwa zur selben Zeit wie das Genre des Techno, also zu Beginn der 1980er Jahre. Als Geburtsstätte dieses Stils gilt die US-Metropole Chicago, während Marshall Jefferson und Frankie Knuckles immer wieder als Wegbereiter der House Music genannt werden.

Die DJs verwendeten innerhalb ihrer Produktionen Elemente aus dem afroamerikanischen Soul, welche sie mit Stücken aus der Disco-Szene abmischten. Das Ziel der House Music war von jeher die perfekte Tanzbarkeit der Tracks. Aus diesem Grund unterschieden sich die House Tracks gegenüber den Stücken aus dem Techno auch in einigen Punkten essentiell. So muten die Stücke weniger monoton an als ihre Techno-Pendants und wirken in den Ohren der Hörerschaft deutlich weicher. In unseren Breitengraden wurden uns die von Hi-Hats und Claps durchzogenen Nummern besonders durch Gruppierungen wie Snap oder Aitken & Waterman nähergebracht.

Das große Rampenlicht wurden den House-DJs, wie auch dem Genre selbst, jedoch nie zuteil. Noch immer fristet die Stilrichtung eher ein Nischendasein und wird in den internationalen Clubs nur äußerst selten auf den Mainfloors gespielt.

Wir hoffen, dass wir euch mit unserem Ratgeber über die verschiedenen Stilrichtungen der elektronischen Musik zufriedenstellend aufklären konnten. Vielen Dank für euer Interesse. Bis zum nächsten Mal!

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Lisa Borch entdeckte früh ihre Leidenschaft für Musik und Filme und studierte Kommunikationswissenschaften und Medienkultur. Seit 2016 ist sie als Musik- und Filmredakteurin bei popkultur.de tätig und teilt gerne ihre Meinungen und Empfehlungen mit ihren Lesern.

E-Mail: lisa.borch@popkultur.de